22.11.05

HOK: Lesen - Vom Suchen und Finden VIII: Informationsräume, Pfade und Navigation

Das World Wide Web verfügt über Hypertext-Funktionalität, das ist eine wichtige Eigenschaft des Mediums. Jedoch nutzen nicht alle Autorinnen und Autoren diese Funktionalität in gleichem Masse. Und gerade bei der Informationskompetenz stellt sich hier die Frage: Handelt es sich hier um digital bereitgestellte Bücher, in denen man Volltext-Suchen durchführen kann, oder um neue Konstrukte: um Netzwerke oder Räume? (Stahl)

Wenn wir die Metapher des Raumes nutzen stellen sich gleich weitere Fragen: Wie orientieren wir uns in diesem Informationsraum? Und wie unterscheiden sich digitale (WWW-) Informationsräume von analogen Informationsräumen (also Bibliotheken beispielsweise)? (Krüger)

Hypertextuelle Verknüpfungen und fehlende Strukturierungen lassen beim Suchen im Internet sehr unterschiedliche Suchpfade entstehen. Die User müssen diese im Gedächtnis gleichsam "virtuell" abspeichern. Der PC zeigt ja immer nur gerade die aktuellste Sicht von Informationen an. Den Pfad hat der Browser zwar gespeichert, aber für die Interpretation des gerade sichtbaren Inhalts und für die Entscheidung, was mit diesem Inhalt gemacht werden soll, bzw. welcher Hyperlink verfolgt werden soll, bleibt den Usern überlassen.

Die Fähigkeiten zur Navigation und zur Orientierung über den aktuellen "Ort" im World Wide Web sind zentral für den Erfolg bei der Informationssuche (Edwards/Hardman). Weil die Orientierung "virtuell" erfolgt, sind Metapher so prägend (Stahl) und lehnen sich oft an bekannten Repräsentationsformen an, vor allem am Buch (Hodel). Das gilt auch für die so genannte Bread-Crumb-Navigation, die Brotkrümel-Navigation, die in Anlehnung an - sagen wir - Orientierungskompetenz von Hänsel und Gretel jende Navigation meint, die die User immer einen Schritt zurückgehen lässt (Zurück-Knopf des Browser). Einzelne Websites bieten diese Navigation auch automatisch generiert an - allerdings nur, solange die User auf der gleichen Website unterwegs sind (wieder die räumliche Metapher...).

Interessant wären die Pfade, die beim Durchstreifen (um der Metapher gerecht zu werden) der Informationsräume entstehen. Hier sind erst wenige Untersuchungen vorgenommen worden und es gibt auch kaum Vorschläge, wie diese Pfade aufgezeichnet, reflektiert oder anderen zur Verfügung gestellt werden könnten. Denn die Pfade sind eigentlich kleine individuelle schöpferische Akte, bei denen kurzlebige virtuelle Sinneinheiten hergestellt werden.

Literatur
  • Hodel, Jan: Wie kommen wir dahin? Das Internet verlangt nach neuen Fähigkeiten bei der Aufnahme von Informationen. Verfasst für die Online-Publikation im Bereich „Reflexionen“ der Website www.pastperfect.at., 15.9. 2003. (PDF)
  • Edwards, Deborah M., Hardman, Lynda: "Lost in hyperspace: cognitive mapping and navigation in a hypertext environment", in: McAleese, Ray (Hg.): Hypertext: theory into practice, Edinburgh: 1999, S. 90-105
  • Krüger, Stefanie: "Die Erschliessung digitaler und analoger Suchräume. Anforderungen an heuristische Verfahren", in: Haber, Peter, Epple, Angelika (Hg.): Vom Nutzen und Nachteil des Internet für die historische Erkenntnis. Version 1.0, Zürich: Chronos 2005 (Geschichte und Informatik, Vol. 15/2004), S. 91-105
  • Stahl, Elmar: Is a hypertext a book or a space? The impact of different introductory metaphors on hypertext construction, in: Computers & Education Volume 44 , Issue 2 (February 2005) S. 115-133. (Abstract)

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